Wirtschaft


Abriss der Wirtschaftsentwicklung


Völkermarkt verdankt seine frühere wirtschaftliche Bedeutung hauptsächlich dem Handel mit Eisen. Der Habsburger Herzog Wilhelm verlieh der Stadt am 5. Juni 1405 besondere Vorrechte für das Eisengeschäft. So verfügte er, dass für das in Waldenstein i. L. erzeugte Eisen in Völkermarkt eine Verkaufsniederlage errichtet wurde. Völkermarkter Händler konnten das Eisen weiterverkaufen und daraus ihren Nutzen ziehen. Kaiser Friedrich III., der 1470 in der Stadtburg zu Völkermarkt Hof hielt, hier Urkunden ausstellte und einem großen Landtag präsentierte, bestätigte 1479 den Völkermarktern das Eisenprivileg. Durch Kaiser Maximilian wurde später bestimmt, dass die Laibacher die Völkermarkter Bürger im Handel mit Eisen und anderen Waren in Laibach, im Karst und im übrigen Krain nicht behindern durften. Die Völkermarkter haben mit dem Eisen nicht nur gehandelt, sondern auch weiterverarbeitet. 1527 baten die Völkermarkter Bürger Ambros Struggel, Matthes Weitt, Bartlmäh Vinkh, Wolfgang Praueysen, Hans Schönauer und Andrä Sinn die Hofkammer um Erlaubnis, am Mühlbach zu Völkermarkt, ein Hammerwerk errichten zu dürfen, auf dem sie Hüttenberger Rauheisen verarbeiten wollten.

Nach 1858 war bei Brückl und in Waldenstein je ein Hochofen in Betrieb. Damals betrug die Roheisenerzeugung pro Tag in Brückl 60 und in Waldenstein 90 Zentner. Eine andere wichtige Handelsware bildete im Mittelalter für Völkermarkt der Wein. Besonders interessiert waren die Bürger am Handel mit südsteirischem Wein. Sie wickelten die Geschäfte zwischen den Weinlieferanten in der Steiermark und den Einkäufern des Kärntner Oberlandes ab. Das Vorrecht des Zwischenhandels mit Wein hatte Völkermarkt Kaiser Friedrich III. zu verdanken. Bei Direkteinkäufen mussten die Oberkärntner Völkermarkt passieren. Noch um die Mitte des 18 Jhs. hatten 57 Bürger Ausschankrechte. Wein- und Bierwirte gab es 20, Bier- und Mostwirte 37.

Die Stadt bewarb sich auch um das Niederlagsrecht für das Ausseer Salz. Es wurde ihr jedoch vom Kaiser auf Betreiben der Orte Bleiburg, Kappel, Guttenstein und Eberndorf verwehrt. Im Jahr 1543 wurde den Völkermarktern ausdrücklich verboten, die Ausseer Salzführer aufzuhalten und zum Niederlegen zu zwingen. Völkermarkt lag in jener Zone, die dem Ausseer Salz vorbehalten war. Die Grenze gegenüber dem Meersalz verlief bei Eisenkappel. Dennoch wurde Adriasalz hereingeschmuggelt. Es wurde daher eine Überwachung eingerichtet. „Die Überreiter“ waren eine Art Polizei, die dem Schmuggel Einhalt gebieten sollte. Sie musste ihren nicht ungefährlichen Dienst auch oft nachts versehen. Die Bauern waren verpflichtet, ihnen Herberge zu gewähren.


Handwerk und Gewerbe – Zunftwesen


Ein altes in Völkermarkt heimische Gewerbe war das der Schuster und Lederer. Die Satzungen dieser Zunft sind durch eine Urkunde vom 9. Juli 1383 überliefert. Der erste bekannte Zechmeister (Vorsteher) der Schuster- und Ledererbruderschaft hieß Friedrich Chewnwolff. Sein Name scheint im Jahre 1398 auf. Laut Satzungen durfte niemand innerhalb der Stadtmauer Schusterarbeit verrichten, der nicht Mitglied der Bruderschaft war. 1477 stiftete die Bruderschaft der Schuster und Lederer eine gotische Totenleuchte. Sie steht noch heute vor der Stadtpfarrkirche St. Magdalena und wurde im Abstimmungsgedenkjahr 1960 renoviert. Um 1900 soll das Schusterhandwerk in der Stadt noch rund 70 Meister und Gesellen gezählt haben. Die Bruderschaften des Lebensmittelgewerbes waren in der sogenannten „Liebfrauenbruderschaft“ zusammengefasst. Das war ein Merkmal kleinerer Städte.

Die Fleischer bildeten die erste Zunft im Lebensmittelgewerbe. Der erste namentlich erwähnte Fleischhauer in Völkermarkt hieß Hensel Sunleytter (1384). Die Bäckerbruderschaft wird 1492 zum ersten Male genannt. Als erster genannter Bäcker tritt uns 1375 Ulrich der Sleißpegkh entgegen. Ihm folgen Namen wie Hainczlein der Sibenbekh (1383), Rupplein der Pekch (1423), Benedict Pekch (1465), Hainreich Weisspekh (1466). Die bedeutendste Bäckerfamilie war im 17. und 18 Jh. die Familie Eggendorfer.

Die Müllner bildeten in Völkermarkt ebenfalls ein altüberliefertes Handwerk. Um die Stadt herum muss eine Reihe von Mühlen gestanden sein. Der Goldschmied Sifridus ist der älteste namentlich erwähnte Handwerker in der Stadt überhaupt. Sein Name wird bereits 1218 urkundlich erwähnt. Die Schneider und Tuchscherer waren in der Stadt Völkermarkt ebenfalls zahlreich vertreten. Ihre Sparte hatte Tradition. Tuchhändler aus Wallonien gehörten mit zu den ersten Ansiedlern.

Üblich war, dass die Handwerker desselben Gewerbes gassenweise beisammen wohnten. So konnten auch die Zechmeister den Verpflichtungen der Zunftsatzungen besser nachkommen. Zu ihren ursprünglichen Aufgaben gehörten die Gewerbeaufsicht, die Marktaufsicht, die Warenschau, die Kontrolle der Maße und Gewichte sowie der Preise etc. Im 16. Jh. gab es beispielsweise eine „Ledergassen“. Die ehemalige „Fleischhakhergasse“ heißt seit dem 18. Jh. „Schwannengasse“. Die älteste Gassenbezeichnung stammt aus dem Jahr 1492. Es handelt sich um die „Verschanggassen“ („Faschanggasse“), die heute „Faschinggasse“ heißt.

Die Glockengießerei war über 100 Jahre eine besondere Attraktion der Stadt. Nach Friesach war Völkermarkt jedenfalls größte Gussstätte in Kärnten. Durch vier Generationen hat die Glockengießerfamilie Fiering hier gearbeitet. Viele Glocken haben ihre Werkstätte verlassen. Einige konnten in Kirchen Kärntens und der Steiermark noch heute nachgewiesen werden. Eine besonders prächtige Glocke, die dem Gießer Urban Fiering (tätig von 1514 – 1556) zuzuschreiben ist, ist die Oktavglocke der Pfarrkirche St. Andrä i. L. Sie hat einen Durchmesser von 148 cm und wiegt 2200 kg.

Im Stadt- und Bezirksmuseum Völkermarkt ist eine Glocke zu besichtigen, die ebenfalls Urban Fiering gegossen hat. Sie war für die Filialkirche Buchbrunn der Pfarre Eberndorf bestimmt. Im Zweiten Weltkrieg musste sie der Kriegsindustrie zu Verfügung gestellt werden und kam in ein Sammellager nach Hall in Tirol. In den letzten Kriegsmonaten wurde sie glücklicherweise nicht mehr eingeschmolzen. Nach fast 40 Jahren kehrte sie in ihre Geburtsstadt zurück.

Der letzte bekannte Glockengießer der Familie Fiering war Georg (1600 – 1619), von dem noch sechs Glocken, darunter auch die von Pustritz, erhalten sind. Im heutigen Gemeindegebiet gab es auch Knappen. Am Südabhang der Wandelitzen wurde nach Silber und Eisen geschürft. Die Stollen sind noch heute feststellbar. Einer, das sogenannte „Knappenloch“, wurde während des Zweiten Weltkrieges als Luftschutzraum von der Volksschule Haimburg benützt. Auf der Ostseite der Wandelitzen heißt eine Flur „rudnica“ (rud = Erz). Die Erze wurden von hier zu den Hochöfen im Görtschitztal verfrachtet. Von dort haben die Fuhrwerker wiederum das Roheisen nach Lippitzbach zur Weiterverarbeitung geführt. In der zweiten Hälfte des 19. Jhs. wurde der Erzabbau eingestellt.

Brachten die Zünfte im Mittelalter das Handwerk zur Blüte, so wirkten sie sich in der Neuzeit mit der strengen und starren Zunftordnung (Beschränkung der Zahl der Meister und Gesellen, Festlegung des Produktionsquantums für den einzelnen Meister, Beherrschung des lokalen Marktes, Erschwerung der Berufsausübung für außerhalb der Zunft Stehende) eher entwicklungshemmend. Josef II. verfügte daher, dass die Zunft- und Handwerksordnungen nicht mehr erneuert oder bestätigt werden durften. Mit kaiserlichem Patent vom 20. Dezember 1859 wurden die Zünfte endgültig abgeschafft. Eine Handwerksordnung wurde geschaffen, die für das ganze Kaiserreich galt.

Dennoch lebte die Tradition der Handwerksvereine in gewissen Formen bis in unsere Zeit weit. So gab es in Völkermarkt bis 1925 einen Verein der sogenannten „Elfer-Messe“. Mitglieder waren alle Handwerker der Stadt. Jeden Sonntag um 11 Uhr traf man sich im Gasthof „Altes Brauhaus“ zu gemütlichem Beisammensein. Man tauschte Neuigkeiten aus, sang und zechte. Das dabei verzehrte Gabelfrühstück wurde aus der gemeinsamen Kasse beglichen.

Quelle:
Völkermarkt, Chronik der Großgemeinde, Eigenverlag der Stadt Völkermarkt, 1980

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